gehirngerechtes Lernen

 Vera F. Birkenbihl, ManagementTrainerin und Autorin, brachte uns das gehirngerechte Lernen aus den USA mit nach Deutschland. Sie entwickelte unter Anderem Sprachen-Lern-Methoden, in dem z.B. das berühmte ‚Vokabeln-Pauken‘ grundsätzlich verboten ist. Denn es geht nicht darum, den Kopf zu öffnen und Wissen hinein zu stopfen – gehirngerechtes, also naturgegebenes Lernen funktioniert anders! Um dies zu verdeutlichen hatte Birkenbihl eine wundervolle Analogie:

Shopping-Malls – diese rießigen Einkaufszentren mit unzählig vielen und unterschiedlichen Angeboten. Dort geht keiner mit dem Vorsatz hin, auswendig zu lernen, wo was zu finden ist. Dort gehen wir hauptsächlich hin, um Einzukaufen, um zu Essen, um Bowling zu spielen etc. etc.
Doch schon nach nur ein paar Besuchen eines solchen Malls wissen wir immer genauer, wo wir parken müssen, wenn wir eine neue Matratze brauchen oder wo, wenn wir zu dem leckeren Asiaten wollen. Das eigentliche Lernen passiert also nebenbei, vor allen Dingen dann, wenn wir NICHT mit dem Vorsatz des Lernen-Müssens an die Dinge gehen.

Wenn nun ein Freund zu uns kommt und uns fragt, wo in diesem riesigen Einkaufszentrum er denn Anglerbedarf finden kann, sind wir für den ersten Moment vielleicht auch erstmal ratlos. Aber dann erinnern wir uns plötzlich: Wenn man in Restaurant X geht und sich an den Tisch am Fenster setzt, sieht man links einen Autozubehör-Händler und rechts davon ein Geschäft für Bastelbedarf. Zwischen diesen Läden ist ein Gang und am Ende des Ganges ist auf der Linken Seite ein Angler-Geschäft – und das nur, weil wir uns vielleicht nur an das Schild mit einer Angel darauf er-innern…

Wie also funktioniert Lernen wirklich? Und wie können wir unsere Erkenntnisse praktisch umsetzen?

Was ist gehirngerechtes Lernen?

Gehirngerechtes Lernen ist der Versuch, die Ergebnisse der modernen Hirnforschung für die Didaktik zu erschließen
und die pädagogische Anwendbarkeit zu prüfen. Hintergrund ist die naturwissenschaftlich fundierte Annahme,
dass materielle Voraussetzungen aller psychischen bzw. geistigen Leistungen nur das Gehirn bzw. das Zentralnervensystem ist.
Daher sind umfassende Kenntnis der im Gehirn ablaufenden Prozesse notwendig, um die Lernumgebung effizient und effektiv gestalten zu können.

Lernen ist ein langfristiger Zuwachs von Wissen und/oder Können.

Beim traditionellen Lernen wird das Gehirn als leerer Behälter betrachtet, den es zu füllen gilt – das Lernen passiert hier eher passiv.
Dadurch sind für einen Lernerfolg viele Wiederholungen nötig. Zudem entsteht bei Problemen zunehmender Druck, der den eigentlichen Lernvorgang massiv einschränkt,
wenn nicht sogar verhindert.

Gehirngerechtes Lernen berücksichtigt besonders die Funktionsweisen des Gehirns. Der Lernvorgang ist hierbei ein aktiver.
Wiederholungen sind nicht nötig, da beim gehirngerechten Lernen zwischen ganz unterschiedlichen Methoden und Strategien
gewählt werden kann. Der Druck fällt weg – bei Problemen wird einfach nach neuen (eigenen) Wegen gesucht.